Noga Erez

Noga Erez
Noga Erez

Kids

Noga Erez, die mit ihrem Album KIDS 2021 ein wuchtiges, politisches und hypermodernes Album veröffentlichte, das im Grenzbereich zwischen Pop, Hip-Hop und Elektro anzusiedeln ist, überraschte im selben Jahr mit einem krassen Gegenentwurf: Kids Against the Machine.

Auf Kids Against the Machine hört man eine Auswahl von akustischen Neuinterpretationen zentraler Stücke ihres Albums KIDS.

Sie zieht der Maschine den Stecker und die Songs verlieren in diesen reduzierten Fassungen nichts von ihrer Kraft – im Gegenteil: Sie gewinnen an Tiefe und sie bringen ihre Musik zum Sprechen.

Entdeckt habe ich dieses Album beim planlosen Treibenlassen durch YouTube, wo ich auf ihren grandiosen Auftritt bei den „Succulent Sessions“ gestoßen bin, einem sehr empfehlenswerten Live-Format aus Tel Aviv.

Hier spielt sie in einer ähnlichen Besetzung wie auf dem Album und ich war sofort gefesselt von dem Zusammenspiel der Musiker und der unterkühlten und doch verletzlichen Ausstrahlung von Noga Erez, die eine große stilistische Bandbreite in ihrer Stimme hat und auch noch mit Speed und Flow Rappen kann.

Doch Erez steht in diesem Projekt nicht allein. Ihre langjährigen musikalischen Mitstreiter:innen treten hier nicht bloß als Begleitensemble auf, sondern als Ko-Autor:innen einer klanglichen Neuschöpfung.

Kids Against the Machine ist kein „Unplugged“-Album im klassischen Sinne, sondern ein fast kammermusikalisches Experiment, getragen von einer exzellent eingespielten Band.

An erster Stelle ist Ori Rousso, Produzent, Multiinstrumentalist und kreativer Lebenspartner von Erez, zu nennen. Wo er auf KIDS noch mit Loops, verzerrten Basslinien und experimenteller Produktion agierte, übernimmt er hier eine zurückhaltendere Rolle – sei es am Klavier, an der Akustikgitarre oder in seinen sehr lässigen Vokalparts.

Man spürt förmlich, wie sehr sich hier jemand zurücknimmt, um Struktur atmen zu lassen – eine Qualität, die in der hyperproduzierten Popwelt nicht oft zu finden ist.

Kids Against the Machine ist das rare Beispiel eines Akustikalbums, das nicht wie ein Bonus-Track-Grab klingt. Es ist ein Statement über Reduktion, musikalisches Vertrauen – und die Intelligenz, den eigenen Sound zu hinterfragen, ohne ihn zu verraten.

Interessant ist auch, wie sich durch die akustische Instrumentierung auch die Erzählperspektive verändert.

Die Songs wirken nicht mehr wie gesellschaftliche Kommentare mit Beats, sondern wie persönliche Notizen mit musikalischer Begleitung. Es ist, als hätte man das Megaphon gegen ein Tagebuch getauscht – nicht leiser, nur näher.

Noga Erez zieht den Stecker. Ihre Mitmusiker:innen machen den Rest – und das mit einer musikalischen Intelligenz, die man sonst eher im Jazz oder in guten Streichquartetten findet.

Anspieltipps:


End of the Road

Cipi

Bark Loud

Story




Nico Gläsel 

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